Kultvideo "Schnuppivera" soll vom Netz gehen!

Dass ausser der Presseabteilung von KMW bislang niemand je etwas vom sog. "Streisand-Effekt" gehört hat, war uns bei der Masse an juristischen Eingriffe gegen unsere Aktion schon länger klar. Jetzt folgt aber ein Akt der gänzlich Unbelehrbaren - mit der überfälligen Belehrung. Vera von Braunbehrens geht mit hochbezahlten Anwälten gegen ein Kultvideo auf Youtube vor. Die juristische Beschreibung des Trash-Videos ist ein Hochgenuss für Feinschmecker (wir zitieren von Netzpolitik.org):

Das Schockvideo geht über einen Protest an Rüstungsgeschäften hinaus. Denn das Video richtet sich ganz gezielt gegen unsere Mandantin und stellt diese -- offenbar in der Absicht, ihr persönlich Schaden in ihrem sozialen Umfeld zuzufügen - an den Pranger. Sachliche Kritik könnte und müsste (und wird auch) auf andere Art und Weise geäußert werden. Das Video ist als Eingriff in das allgemeine Persönlichkeitsrecht unserer Mandantin unzulässig und rechtswidrig und führt zu Unterlassungs- und Schadensersatzansprüche unserer Mandantin (§ 823 Abs. 1 BGB). Rein vorsorglich weisen wir darauf hin, dass die illegitime Verknüpfung der Kritik an Rüstungsgeschäften mit der Person unserer Mandantin und ihrem Privatleben, wie sie in dem fraglichen Video geschieht, nicht von der Kunstfreiheit gedeckt ist.

Zur Erklärung: Bis heute haben wir hunderte von Einsendungen erhalten, teils lustige, teils interessante, teils skurrile Texte, Briefe, Bilder und Videos zu den Eigentümern von KMW. Darunter auch ein Video namens "Schnuppivera" auf Youtube. Gegen dieses Video, das bis gestern rund 500 Mal angeklickt war (der Counter ist derzeit eingefroren - dürfte aber gerade durch die Decke gehen), geht eine der wichtigsten Eigentümerinnen der Panzerfirma KMW, Vera von Braunbehrens, mit einer der bestbezahltesten Anwaltskanzleien (wir müssen es wissen, wir durften nämlich deren Kosten in der Kunstbeschneidungssache von Rüdiger von Braunbehrens tragen) vor. Oder ganz kurz: Vera von Braunbehrens hat sich dazu entschlossen, das Video auf einen Schlag berühmt zu machen und viral zu verbreiten. Die ganze Geschichte meldet u.a. gerade das größte Onlineportal für Netznachrichten: Netzpolitik.org. Hier geht es zum Artikel. Aber auch der Metronaut-Blog bringt gerade die ganze Geschichte in einem wie immer hellsichtigen Artikel, WinFuture u.v.a.

Allein in der ersten Stunde hat das Video begeisterte Downloader gefunden, die u.a. in den Kommentaren bei Youtube versprechen, es wieder hochzuladen, sollte es jemals verschwinden. Aber auch Anwälte behandeln bereits das Novum, dass eine Kanzlei gegen ein Youtube-Video per Instant-Messaging vorgehen will. Zum Beispiel der Medienrechtsblog von Rechtsanwalt Markus Kompa: Das Krokodil und seine symbolische Bedeutung.

Die betroffene Künstlerin, von der das Video stammt, hofft nun, wie sie uns mitteilte, auf den ersten über die Internetplattform Youtube ausgetragenen Prozess, in dem Einsprüche über das Messaging-System der Plattform eingereicht und andere Nutzer das Urteil per "Gefällt mir" oder "Gefällt mir nicht" mitfällen können. Sie hat angekündigt, sich in den nächsten Tagen nach diesem überraschenden Erfolg sich auch mit anderen Eigentümern der Waffenfirma künstlerisch auseinanderzusetzen.

Das Video kursiert jetzt bereits in mehreren Kopien im Netz (z.B. hier und hier) und es steht zu hoffen, dass sich die Anwälte mit dem gesamten Netz anlegen. Dass die Waffenhändler alles unternehmen, um sogar Trashvideos zu unterdrücken, war uns völlig neu. In den Kommentaren bei Netzpolitik schlägt eine Henrike uns etwas vor, worüber wir jetzt ernsthaft nachdenken:

Hört, hört: das Zentrum für Politische Schönheit sollte einen WETTBEWERB ausloben für Trashfilme auf die Waffenhändler der Panzerschmiede!!

Kooperationspartner für ein solches Festival (Berlinale? Volksbühne? Cellu L'Art): bitte melden!