Burkharts Nebelkerzen

Eine Meldung der Financial Times sorgt, verbreitet über die Agenturen, vorab für Aufregung. Burkhart von Braunbehrens schlägt im Interview vor, KMW zu einer Aktiengesellschaft umzurüsten:

Ich kann mir eine Aktiengesellschaft vorstellen. Unser größter Konkurrent und gleichzeitig Kooperationspartner Rheinmetall ist börsennotiert. Dort sind die früheren Familieneigner schon vor Jahren ausgestiegen. Es wäre sinnvoll, wir würden den Weg mit Rheinmetall in eine gemeinsame AG gehen.

Das dürfte die Haltung der gesamten Braunbärensippe sein, die es gar nicht abwarten kann, nach Jahrzehnten des nichtöffentlichen Gewinne-Kassierens jetzt im breiten Scheinwerferlicht der Medien aus dem Laden auszusteigen. Wie wir bereits in unseren drei Zukunftsszenarien dargelegt haben, halten wir den Anteilsverkauf der Braunbehrens an Rheinmetall oder die Konzeption einer "KMW AG" für Schwachsinn. Burkharts Äusserungen zeigen einmal mehr: traue nie einem Waffenhändler! AUS RECHTLICHEN GRÜNDEN FEHLT HIER EIN SATZ.

Selbstverständlich sehen alle Waffenhändler, die sich öffentlich gegen ihre eigenen Geschäfte stellen (müssen), enorme Vorteile in einer Aktiengesellschaft: im Schatten der totalen Anonymität lässt es sich gut leben und Gewinne einkassieren. Während man sich tagsüber über die Geschäftsführung öffentlich entrüstet, tröstet man sich abends bei einem Glas Wein über die eigene Ohnmacht hinweg. Das Problem bei KMW ist: die von Braunbehrens haben Macht. Sehr viel Macht (52,5 Prozent). Natürlich wollen einige von ihnen jetzt verkaufen, wo sie aufgeflogen sind. Dann müssen sie sich für die letzten 40 Jahre nicht rechtfertigen. Aber wir halten den Verkauf der Anteile bzw. die Umstrukturierung in eine AG für die denkbar schlechteste Lösung. Die meisten deutschen Rüstungsfirmen sind Aktiengesellschaften. Und ausser den "Kritischen Aktionären" glaubt keiner, dass damit der gesellschaftliche Einfluss auf diese Firmen gestiegen ist. Besser ist es, den offenen Konflikt mit den Bodes zu suchen und wann immer der Clan habgierig wird, ihnen mit der Behrentatze auf die Finger zu hauen.

Update: nach Lektüre der drei FTD-Artikel von heute, insbesondere von "Die Panzerschlacht" (S. 23), müssen wir einmal mehr festhalten, dass das Problem nicht Burkhart von Braunbehrens ist, sondern die große Nachrichtenagentur, die die Meldung aufgegriffen hat. Es fehlt offenbar ein kritischer Journalismus, der 25-Millionen-Schwerreiche Eigentümer (Burkharts KMW-Anteil) "vielleicht" auch einmal verdächtigt, eigene Interessen zu verfolgen?