Waffenhandelnder Künstler im ZDF

Es ist ein Interview, das zunächst großen Respekt abringt: Burkhart von Braunbehrens stellt sich im ZDF. Der Waffenhändler berichtet von der Reaktion seiner Familie - die laut ZDF-Informationen übrigens die Mehrheit (!) an Krauss-Maffei Wegmann hält - auf den Saudi-Deal:

Die Reaktion meiner ganzen Familie war auch die, dass sie entsetzt war.


An anderer Stelle sagt Braunbehrens: dass seine Familie "das einhellig entsetzlich fand". Der Blumenmaler berichtet, wie "die Geschäftsleitung" (wahrscheinlich: Frank Haun) die Familie belogen und getäuscht habe. Die KMW-Spitze hätte den Braunbehrens mitgeteilt: "Es gibt sowas [wie den Panzerdeal mit Saudi-Arabien] nicht!"

Unausgesprochen bleibt aber, was das bedeutet: die Braunbehrens liessen sich mit dieser Antwort - trotz hunderter gegenteilig lautender Zeitungs- und Fernsehberichte, Sondersitzungen des Bundestages, Strafanzeigen und Protesten zu diesem imaginären Deal - abspeisen. Die gutgläubigen Braunbären wollen lieber ihrer (!) "Geschäftsleitung" geglaubt haben (eine Story, die wir ihnen nicht abnehmen). Daraufhin wiegelt Burkhart ab und relativiert:

Der Einfluss der Gesellschafter auf die unmittelbare Geschäftspolitik stellt sich die Öffentlichkeit wirklich etwas naiv vor. Wir sind halt ne Familiengesellschaft, die trotzdem mehr oder weniger wie eine Aktiengesellschaft, weil es soviele Familienmitglieder sind, funktioniert und der Einfluss des Einzelnen ist sehr begrenzt.

 

Das bleibt seitens des Interviewers unwidersprochen (der Stern und der WDR waren da härter). Burkhart scheint selbst zu glauben, was er da sagt. Aber es wird nicht wahrer. Der Panzerkonzern wird gehalten von einer Holding, die insgesamt 38 (!) Gesellschaftern gehört. Die Braunbehrens besitzen laut FOCUS 52,5 % dieser Holding. Was hat das mit einer Aktiengesellschaft zu tun? Warum sollte der Einfluss seiner Familie, der offenbar die Mehrheit an KMW gehört, da in irgendeiner Weise begrenzt sein? 

Wir waren eigentlich bereit, es dabei zu belassen, zumal wir Hochachtung empfinden für die Art, wie Burkhart bereit ist, der deutschen Öffentlichkeit Rede und Antwort zu stehen. Aber am Schluss folgt ein Akt, der an Dreistigkeit nicht zu überbieten ist: der Künstler berichtet, wie er dem Bundespräsidenten einen Brief geschrieben habe, in dem er fordert, "eine Lieferung von Panzern an Saudi-Arabien [dürfe] gegenwärtig nicht stattfinden". Das Panzergeschäft müsse als "feindliche und fatale Antwort" auf die arabische Demokratiebewegung verstanden werden. 

Diese Verwirrtheit muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: der Künstler, dessen Familie die Mehrheit an einem Waffenkonzern hält, fordert vom Bundespräsidenten, statt vom eigenen Geschäftsführer (den sie höchstpersönlich eingesetzt hat), den Milliardendeal zu stoppen. Nochmals: vom Bundespräsidenten. Ob er es schon beim Weihnachtsmann versucht hat? Das Interview in voller Länge finden Sie hier.