Einblicke in die Seele eines Waffenhändlers beim WDR

Es ist soweit: der erste Eigentümer hat den Schritt aus der Deckung in die Öffentlichkeit gewagt und sich in einem bislang völlig unbeachtet gebliebenen WDR-Interview in eine Panzerkette von Widersprüchen eingehüllt. Unter dem Titel Darf man an Rüstungsexporten verdienen? fühlt der Moderator Jürgen Wiebicke dem verwirrten Alt-Linken in dankenswerter Weise auf den Zahn. Soviel vorweg: der Blumenmaler macht dabei keine gute Figur, obschon er aus unserer Sicht Hochachtung für den Versuch verdient, sich einer Debatte zu stellen, in der 94 % der deutschen Bevölkerung gegen ihn stehen.

Die Lieferung der 270 Kampfpanzer bezeichnet Braunbehrens als ein "unmögliches Signal" und lässt durchblicken, dass die anderen Eigentümern im Streit darüber liegen, wie sie sich zu dem unmoralischen Geschäft verhalten sollen: "Also, ich kenne einige, die das nicht gut finden!"

Dann aber rudert er zurück und behauptet, das alles sei seine "total persönliche Meinung als Staatsbürger". Er wolle sich ohnehin nur "staatsbürgerlich verhalten". Damit dürfte der Blumenmaler sich selbst in bourgois und citoyen unterteilt haben, wodurch er allerdings in nackten Nihilismus abgleitet, wenn er kurz darauf versucht, den Export von schwerem Kriegsgerät in eine der schlimmsten Diktaturen der Welt damit zu begründen, dass Deutschland sich in Libyen "nicht engagiert" habe.

Moderator: "Dann können Sie sich ja zusammenschliessen und den Deal stoppen!" - Braunbehrens: "Unsere Firma ist wie eine Aktiengesellschaft. Sie wissen, wie eine Aktiengesellschaft funktioniert. Das wäre völlig illusionär."

Der Moderator fragt nach, wie er zu seinen Anteilen gekommen sei. Braunbehrens: "Das ist 'ne lange Geschichte, aber im Prinzip durch Erbschaft." - Moderator: "Aber als Ihnen das klar war, dass es nicht so sehr um Wagons, sondern um Waffen ging, was ging da in Ihnen vor?" - Braunbehrens: "Da wollt' ich es erst mal loswerden." - Moderator: "Sie wollten verkaufen?" - Braunbehrens: "Ja, also, das ist eine lange Geschichte. Aber ich hab natürlich völlig wie jeder Jugendliche reagiert, ich hab gesagt: Ich möcht' damit nichts zu tun haben."

Moderator: "Haben Sie Versuche gemacht, den Anteil loszuwerden?" - Braunbehrens: "Ja, das ist nach der Firmenkonstruktion und nach den Gesellschaftsstrukturen... Das ist ja keine Aktiengesellschaft. Es sind ja keine frei verkäuflichen Anteile. Es ist außerordentlich schwierig. Jemand mit einem kleinen Anteil kann eigentlich relativ wenig dafür tun." - Moderator: "Es wird gemunkelt, dass Ihr Anteil ungefähr 25 Millionen beträgt." - Braunbehrens: "Das wäre schön. Aber... Auf der Ebene möchte ich mich mit Ihnen nicht unterhalten."

Wir haben einen Remix mit diesen Pirouetten zugespielt bekommen:

Bei dem Zick-Zack-Antwortenkurs des verwirrten Blumenmalers könnte einem schwindelig werden. Wenn es um seine Verantwortung als Eigentümer geht, verlagert sich Braunbehrens darauf, dass seine Anteile wie bei einer Aktiengesellschaft sind und wenn es darum geht, die Firmenanteile zu verkaufen, behauptet er das exakte Gegenteil. Dazu muss man wissen, dass die Geschichte 'KMW & Burkhart von Braunbehrens' nicht so lang ist, wie der Künstler sie offenbar gerne hätte. Der Alt-Linke wurde aufgrund seiner Revoluzzer-Vergangenheit bis 2008 bewusst als einziges Familienmitglied aus der Firma ausgeschlossen und ist erst seit 2008 Anteilseigner bei Krauss-Maffei Wegmann. Getreu dem Motto, dass der Aufsteiger der beste Verfechter der Normen der Schicht ist, in die er aufsteigen will, strengt sich Braunbehrens an, ein guter Panzerproduzent zu sein und macht dabei vieles falsch. Der Moderator konfrontiert ihn damit, was er davon halte, dass er heute sein Geld "in einer der finstersten Branchen" verdiene. Braunbehrens versucht dabei nicht einmal zu behaupten, sein Geld mit seiner Kunst zu verdienen. Auf die Frage, wie er als alter Kommunist zu Waffengeschäften stehe, gibt Braunbehrens zur Antwort:

Wir Kommunisten waren gerade in dieser Sache immer sehr realistisch!

Für ihn mache es keinen Unterschied, ob Krauss-Maffei Wegmann "Waffen oder Margarine oder sonstwas" produziere. Statt wie in früheren Aussagen behauptete er diesmal nicht, von der Bundesregierung zum Saudideal gezwungen worden zu sein. Er sei "nicht informiert" über das Zusammenspiel von Politik und Wirtschaft im Falle seiner Firma. Dafür lobt der Moderator: "die meisten machen dieses Geschäft diskret" (unter den deutschen Waffenhändlern) und fragt: "Was denken die anderen über ihren Auftritt hier?" - Braunbehrens: "Der ist höchst umstritten."

Schliesslich lobt Braunbehrens unsere Effizienz, dass er bis in alle Ewigkeit als Waffenhändler erinnert wird: "Schlingensief hat mal gesagt: 'Tötet Kohl!' - Das war noch ne Kunstaktion, die fragwürdig war, aber es war völlig klar, dass es 'ne irreale Geschichte gewesen ist. Was an der Kampagne unangenehm ist, dass es ne reale Bedrohung ist, die gezielt eingesetzt wird. Herr Ruch schreibt eine Doktorarbeit, wie die alten Griechen das Mittel der persönlichen Verleumdung in der politischen Auseinandersetzung benutzt haben."

Moderator: "Also sie fühlen sich auch bedroht?" - Braunbehrens: "Ja sicher. Ich fühle mich in meiner ganzen Biographie bedroht. Das ist mein Leben sozusagen. Ich schätze das höher als mein physisches, muss ich Ihnen ehrlich sagen." - Moderator: "Wie ist diese Bedrohung spürbar?" - Braunbehrens: "Das ist jetzt langweilig! [...] Ich rede jetzt nicht über meine Gefühle. Ich rede hier als Staatsbürger. Das ist hier meine Aufgabe."