Der Gott des Blutbads

Immer mehr Menschen "entdecken" unter den deutschen Waffenhändlern ihre eigenen Bekannten. So meldet uns Angelika Müller, eine ehemalige Studentin von Volkmar von Braunbehrens (seit Bekanntwerden der Verwicklungen in die frühe Berliner 68er-Studentenbewegung auch: Schah-Volkmar), wie entsetzt sie gewesen sei, "als ich am Wochenende lesen musste, wofür v. Braunbehrens Verantwortung trägt. Es toppt aus meiner Sicht geradezu die Entwicklung Horst Mahlers. Hier ein irrer Geist, dort ein Händler des Todes!"

Schah-Volkmars Spitzname lautete in den Berliner Unikreisen damals: "Ares" - der griechische Gott des Krieges, des Blutbades und der Massaker. Müller hinterläßt ihm eine denkwürdige Botschaft, die wir mit ihrer Erlaubnis hier wiedergeben:

Werter Volkmar von Braunbehrens, lieber Ares, aus alter Gewohnheit bleibe ich beim Du. Ich war eine Deiner Studentinnen. Zusammen mit Rüdiger Safranski, Horst Domdey, Gerhard Bauer, Friedrich "Fedor" Rothe u.a. gehörtest Du zu einer Gruppe von Professoren und Dozenten, die uns eine andere Sicht auf die Literatur lehrte. Im Jahre 1974 noch keine Selbstverständlichkeit am Germanistischen Seminar der Freien Universität Berlin, am späteren Peter-Paul-Zahl-Institut. Für mich allerdings wurde die sogenannte Materialistische Literaturwissenschaft sehr schnell zu einer Selbstverständlichkeit, dank Deiner und der anderen. Hier wurde das, was sich bereits in der Schulzeit Gehör verschaffen wollte, zur konkreten wissenschaftlichen Arbeit. Bei Dir schrieb ich auch mein erstes Papier zum Thema Göttinger Hain - Voss/Stolberg. Ich erinnere noch sehr gut meine große Freude, als Du es als vorzüglich bezeichnetest. Ich erinnere noch sehr gut Deine konstruktive Kritik und wie viel Zeit Du Dir nahmst, um das Papier einer Studentin im zweiten Semester ausführlich zu besprechen. Und ich erinnere noch sehr gut Deine politische Haltung. Gut, damals waren wir alle politisch, zumindest die meisten von uns, und ich war sehr jung. Meine Fragen jedoch, was will, soll, was kann Literatur im gesellschaftspolitischen Kontext, wurden beantwortet. Und diese Antworten haben noch heute Gültigkeit für mich. Ebenso meine Erkenntnisse zu den Fragen nach Gerechtigkeit, Solidarität, Verteilung, zu der Frage nach politischer Verantwortung. Um so entsetzter bin ich, dass jemand, der - wenn auch nur kurz - meinen Erkenntnisprozess befördert hat, diese meine Werte, die einst wohl als unsere gemeinsamen hätten bezeichnet werden dürfen, derart mit Füßen tritt.

Angelika Müller